Kirche St. Marien | Geschichte und Kunsthistorie | Bilderreihen

Schon die Lage der 1959 entstandenen Kirche lässt auf eine enge Verbindung des Gotteshauses zum Bergbau schließen. Fördertürme, Maschinengebäude und Schornsteine der Zeche Heinrich-Robert, heute Bergwerk Ost, bestimmen die gegenüber liegende Seite der Kamener Straße. Die Kirche umgibt so eine Mischung von Wohnblocks und Bergarbeiterhäusern mit kleinen Gärten. Das zur Kamener Straße ausgerichtete Kirchenportal in der Giebelfront empfängt den Besucher wie der Eingang zu einem Bergwerksstollen. Ein dem stützenden Streb nachempfundenes Vordach schützt die dahinter liegende zweiflügelige Tür, deren Reliefplatten und Türgriffe mit Bronzearbeiten von Josef Baron gestaltet sind. Rechts vom Giebel erhebt sich zu einer Höhe von insgesamt rund 40 Metern der freistehende Glockenturm.
Der Besucher steht beim Betreten der Kirche vor einem kunstvoll geschmiedeten Gitter, das in der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede gearbeitet worden ist. Bei geschlossener Kirche verwehrt es den weiteren Zugang, doch zum Gottesdienst eröffnet es einen überraschend weit und hoch, eher breit als tief erscheinenden Raum. Dieser ist von einem hohen Zeltdach ohne sichtbares Gebälk und ohne irgendeine Stütze überspannt, was durch eine Eisen-Stahl-Konstruktion ermöglicht wird. Ziel des durch die Bankreihen führenden Mittelganges ist der weit aus dem Chor zur Gemeinde hin vorgerückte Altartisch aus poliertem grünen Sandstein. Unübersehbar zentraler Ort alles Geschehens im Gotteshaus steht er im Mittelpunkt der großen Kirche auf einem nur um zwei Stufen erhöhten weiten Halbrund, viel Raum für die Teilnehmer an der Eucharistie bietend. Hinter dieser Altarinsel erstreckt sich der weite Chor mit der Tabernakel-Stele von Johannes Niemeier aus Rietberg vor der Rückwand, an der ein Kruzifix aus der älteren Zeit dieses Baues hängt. Altar und Ambo schuf Josef Baron. Sein Licht erhält dieser jetzt als Bühne für Chormusik und Ähnliches genutzte große Bereich von schmalen, bis zum Boden reichenden seitlichen Fenstern. Im Freiraum rechts von der Altarinsel steht heute das Taufbecken aus dem Vorgängerbau. Die lange Fensterfront seitlich davon schmückt ein Ende der 1950er Jahre entstandenes Frühwerk des in vielen Hammer Kirchen präsenten Glasmalers Wilhelm Buschulte. Er gestaltete die sechs großen Fenster als ein thematisch durchgehendes Band mit Motiven aus dem Marienleben, vielfarbig und mit dunklen Stegen durchzogen und gefestigt, die Anrufungen aus der Lauretanischen Litanei der Kirchenpatronin interpretierend: "Du Morgenstern, Du Thron der Weisheit, Du elfenbeinener Turm, Du Bundeslade, Du goldenes Haus, Du Spiegel der Gerechtigkeit, Du Königin des Rosenkranzes, Du geheimnisvolle Rose."



Die sehr klare, den liturgischen Bedürfnissen unserer Tage in bester Weise entsprechende Gestaltung dieses offensichtlich älteren Kirchengebäudes ist der erst im Jahr 2000 abgeschlossenen Renovierung unter der Leitung des Architekten Hans-Jochen Kirchner aus Holzwickede zu danken. Der Architekt Otto Weicken aus Unna hatte Ende der 1950er Jahre das Gebäude geplant. Damals endlich war die Gemeinde soweit, den Bau einer "richtigen" Kirche in Angriff nehmen zu können. Erhebliche Zuschüsse gaben der Bonifatiusverein in Paderborn und die Zeche, so dass für die Gemeinde nur noch ein Kostenanteil von 25 Prozent zu tragen blieb. Am 30. August 1959 konnte Weihbischof Wilhelm Tuschen aus Paderborn die Weihe vornehmen. Damit war eine lange Zeit vorbei, in der man sich mit Notkirchen hatte behelfen müssen. Eine erste war bereits am 22. Januar 1908 für die Familien der katholischen Bergleute eingeweiht worden, die aus Schlesien, West- und Ostpreußen, Polen und vom Balkan nach Wiescherhöfen gekommen waren und dort Arbeit gefunden hatten. 1901 war dort mit dem Abteufen der ersten Schächte Heinrich und Robert der neuen Zeche de Wendel, deren Stammsitz in Lothringen lag, begonnen worden. Drei Jahre später konnte der erste Abbau der Kohle vorgenommen werden. Da der Weg zur Pfarrkirche Heilig Kreuz in Herringen weit war, gründete man schon 1907 einen Kirchbauverein, erwarb eine alte Fachwerkscheune für 400 RM, die mit Hilfe Freiwilliger von ihrem alten Standort abgebrochen und auf einem gestifteten Grund- stück wieder zusammengebaut worden war. Nachdem die immer zahlreicher werdende Gemeinde 1921 von Herringen getrennt und zur eigenen Pfarre St. Marien erhoben worden war, erbaute man eine neue, diesmal "feste" Kirche, die am 2. April 1922, kurz vor der Inflation, eingeweiht werden konnte. Der schlichte und in kürzester Zeit errichtete Bau erwies sich aber schon bald als unzureichend für die wachsende Gemeinde. Seine Schwächen und Schäden verursachten zudem verhältnismäßig hohe Instandhaltungskosten. Doch die folgenden Jahre waren für weitere Pläne nicht günstig. So entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren mit Otto Weicken ein neuer Kirchenbau, der nach der "Überholung" von 1999/2000 in neuer Klarheit erstrahlt.
Text aus: Beaugrand, Jerrentrup, Nowoczin, von Scheven, Peter, Feußner: Kirchen der Neuzeit in Hamm, Westf. Anzeiger Verlagsgesellschaft mbH, 2002, Seite 133 -134

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